Grit Poppe zu Gast in Pforzheim: Zwei eindrucksvolle Lesungen
Auf Einladung des DDR-Museums und der Landeszentrale für politische Bildung war die Autorin und Bürgerrechtlerin Grit Poppe am 23. Juli zu Gast in Pforzheim. Am Vormittag las Grit Poppe im Kepler-Gymnasium vor Schülerinnen und Schülern der 8. Jahrgangsstufe aus ihrem Jugendroman Verraten. Darin beschreibt sie den brutalen Alltag in den Heimen und Jugendwerkhöfen der DDR sowie die Methoden der Staatssicherheit. Im Anschluss an die Lesung entwickelten sich rege Nachfragen – sowohl zum Inhalt des Romans als auch zum Alltag in der DDR. Grit Poppe berichtete eindrucksvoll über ihre eigenen Erfahrungen und stand den Schülerinnen und Schülern offen Rede und Antwort.
Am Abend folgte dann im DDR-Museum Pforzheim eine zweite Veranstaltung mit Grit Poppe, bei der wir über 40 Gäste begrüßen konnten. Im Mittelpunkt stand das Buch Verschleppt, verbannt, verschwunden, das Grit Poppe gemeinsam mit ihrem Sohn Niklas verfasst hat. Darin beleuchtet sie ein weithin wenig bekanntes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte: das Schicksal von Jugendlichen, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit in der Sowjetischen Besatzungszone unter dem Vorwurf angeblicher Spionagetätigkeit verhaftet und in sowjetische Lager verschleppt wurden.
Mit einfühlsamer Sprache und auf Grundlage akribischer Recherchen erzählt das Buch von jungen Menschen, deren Lebenswege durch politische Verfolgung brutal zerstört wurden. Es verleiht den oft vergessenen Opfern endlich eine Stimme und rückt deren Schicksale ins öffentliche Bewusstsein.
Im Anschluss an die Lesung entspann sich eine intensive Diskussion mit dem Publikum – unter anderem zu der Frage, welche Motive die sowjetischen Besatzer für ihr Vorgehen gegen Jugendliche hatten und wie lange die Auswirkungen dieses Unrechts spürbar waren.
Beide Veranstaltungen verdeutlichten, wie wichtig die Auseinandersetzung mit historischen Themen gerade auch für die junge Generation ist – und welch wertvollen Beitrag Literatur dazu leisten kann.


