Die Geschichte in mir – Ein Abend mit Rüdiger von Fritsch
Am Montag, den 06.07., durften wir gemeinsam mit der Pforzheimer Zeitung den ehemaligen Botschafter und heutigen Autor Rüdiger von Fritsch mit zwei sehr persönlichen Büchern im fast ausverkauften PZ-Forum begrüßen.
In seinem aktuellen Buch „Die Geschichte in mir – Eine deutsche Familie im 20. Jahrhundert“ setzt sich Rüdiger von Fritsch nicht nur mit seinen Erfahrungen als Diplomat auseinander, sondern gewährt auch einen tiefen persönlichen Einblick in die Geschichte seiner Familie. Eine besondere Stellung nimmt dabei die Beziehung zu seinem Vater ein, der bis zu seinem Tod überzeugter Nationalsozialist war. Lebendig schildert der ehemalige Botschafter, wie er sich ein Leben lang mit seinem Vater auseinandergesetzt hat. Dabei geht es um Fragen von Verantwortung, Erinnerung und Schweigen. Am Beispiel seines Vaters zeigt von Fritsch eindrucksvoll, wie Menschen mit den Brüchen in ihrer eigenen Biografie umgehen und wie historische Entwicklungen oft über Generationen hinweg nachwirken.
Laut von Fritsch soll sein Buch ein Plädoyer für das „Und“ sein – für das Aushalten von Gegensätzen. Eine Botschaft, die er im Laufe des Abends eindrucksvoll und fesselnd dem Publikum näherbrachte.
Im zweiten Teil des Abends ging es dann um das Buch „Endspiel 1974 – Eine Flucht in Deutschland“, das eine Episode aus von Fritschs Leben erzählt, die das Zeug zu einem Agententhriller hat. Gebannt hörte das Publikum, wie von Fritsch als 19-Jähriger ein Hilfegesuch seines Vetters aus der DDR erhielt, ihm und zwei Freunden bei der Flucht zu helfen. Aus moralischer Verpflichtung, aber auch mit jugendlichem Leichtsinn, machte sich von Fritsch gemeinsam mit seinem Bruder in den folgenden Monaten daran, einen Fluchtplan zu entwerfen. Im Zuge dessen brachte er sich sogar selbst das Fälschen von Pässen bei – sein Fälscherwerkzeug hatte er an diesem Abend selbstverständlich ebenfalls im Gepäck.
Am Ende des Abends bedankte sich das Publikum mit lang anhaltendem Applaus für die bewegende und zugleich spannende Lesung. Ein Abend, der eindrucksvoll zeigte, wie eng persönliche Lebensgeschichten und Zeitgeschichte miteinander verwoben sind und wie wichtig der offene Dialog über Vergangenheit, Verantwortung und Erinnerung bleibt.

