Zeitzeugin Elke Schlegel berichtet über ihre Erlebnisse im DDR-Frauengefängnis Hoheneck

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Zeitzeugengespräch mit Elke Schlegel am 29.05.2022 im DDR-Museum in Pforzheim  
Die Zeitzeugin Elke Schlegel berichtete von ihrem Leben in der DDR, dem Entschluss einen Ausreiseantrag zu stellen, ihrer Hafterfahrung im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck und den damit verbundenen massiven Auswirkungen auf ihre weiteres Leben.

Nachdem Elke Schlegel für die politischen Verhältnissen in DDR eine „normale“ Jugendzeit verbracht hatte – vom Jungpionier über den Thälmannpionier zur FDJ, machte sie immer wieder durch ungenehme Fragen und Teilnahme an Veranstaltungen der Friedensbewegung und des „Weißen Kreises“ auf sich aufmerksam. Durch das Sehen von Westfernsehen und ihre Westverwandschaft, sowie dem Tragen von westlicher Kleidung viel sie zusätzlich noch negativ auf.

Somit geriet sie schnell in das Visier des Stasi . Zusammen mit ihrem späteren Ehemann stellte sie seit Anfang der 80er Jahre mehrfach Ausreiseanträge und suchte Hilfe bei Verwandten im Westen und bei der Botschaft der Bundesrepublik. Nach der Genehmigung eines Ausreiseantrages für sie beide und ihren gemeinsamen zweijährigen  Sohn, passierte folgendes..

Kurz danach erschiene Stasibeamte vor deren gemeinsamen Wohnung. „Mitkommen zur Klärung eines Sachverhalts!“ brüllte der ranghöchste Stasi-Offizier und stürmte an ihr und ihrem Freund vorbei in deren Wohnung. Plötzlich standen weitere fünf Männer und eine Frau vor ihnen. Sie galten ja als Staatsfeinde. Ihren Sohn durfte sie noch zu ihrer Mutter bringen und sich noch kurz verabschieden. Danach ging es in Untersuchungshaft.

Nach der Verurteilung aufgrund eines Telefongespräches und der Wohnungssuche im Westen nach dem genehmigten Ausreiseantrag, folgte die Haft im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg in Sachsen.

Dort saßen politische Häftlinge zusammen mit Kriminellen ein und waren deren Willkür ausgeliefert. Sexuelle Übergriffe waren an der Tagesordnung, die geduldet wurden.

Schon ein falsch zugeknöpftes Hemd zog Schläge nach sich.

Die Verpflegung weitgehend ungenießbar, so gab es z.B.  Suppe mit Maden, verdorbenes Fleisch und keine Vitamine. So verwundert es nicht, dass  Frau Schlegel von 54 auf 38 kg abmagerte.

Begrifflichkeiten wie Appell, Arbeitskommando oder Transport für die Zeit vor dem Freikauf und Wachteln für Aufseherinnen erinnerten an diese dunkle Zeit.

Trotz dieser Haftbedingungen musste noch Zwangsarbeit geleistet werden.

Sie musste Strumpfhosen nähen, während andere Bettwäsche und Gardinen nähen mussten. Diese Produkte wurden für Devisen an westdeutschen Versandhäuser und Warenhausketten verkauft.

Im Herbst 1984 hatte sie nach „5 Monaten und 24 Tagen“ Haft zusammen mit ihrem Mann  das Glück „freigekauft“ zu werden. Sie sei der DDR 80 000 DM wert gewesen wie sie später erfuhr.

Letztendlich fand die Familie in Koblenz zusammen, nachdem sie ihren Sohn 1985 endlich nach einer nochmaligen entwürdigenden Behandlung durch die Stasi in der DDR abholen durfte.

Durch diese Erlebnisse geprägt, setzt sich Frau Schlegel heute für „Vergessene Kinder – Nachkommen politisch Verfolgter in der DDR“ ein. Eine Einladung zu der Umfrage „Vergessene Kinder“ liegt im DDR-Museum aus.

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