Buchlesung und Vortrag mit Ellen Thiemann im PZ-Forum

 In Stiftung, Verein

Wann: 17. September 2015 um 19 Uhr
Wo: im Pz-Forum, Poststraße 12, Ecke Luisenstraße, 75172 Pforzheim

Eintritt: 5,50 €, für Inhaber der PZ-AboCard 3,50 €
Kartentelefon: 07231 933-125
Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr

„Wo sind die Toten von Hoheneck“    

Weil sie mit ihrer Familie die Freiheit suchte, lernte sie das DDR-Regime von seiner brutalsten Seite kennen: hinter Gefängnismauern. Wegen geplanter Republikflucht wurde Ellen Thiemann im Dezember 1972 verhaftet und Ende Mai 1973 in einem Willkürurteil zu drei Jahren und fünf Monaten „strengem Strafvollzug“ verurteilt. Willkür deshalb, weil sie ihren Mann deckte, um den Sohn (11) vor dem Kinderheim zu bewahren. Nach Stasi-U-Haft in Berlin-Hohenschönhausen mit Folter (Schlafentzug, Isolation, bewusstseinsverändernden Drogen, Beleidigungen und lautstarken Bedrohungen), wurde sie Ende Juni in die allgemeine U-Haft nach Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) überführt, um von dort aus per Sammeltransport ins berüchtigte Frauenzuchthaus Hoheneck im Erzgebirge gebracht zu werden. Katastrophale Zustände mit überfüllten Zellen, mangelnder Hygiene, Doppelzwangsarbeit, widerlichem Essen, schlechter medizinischer Versorgung und erniedrigendem Drill waren Alltag für die „Staatsverbrecher“, wie die politisch Inhaftierten in DDR-Gewahrsam genannt wurden.

 

Ende Mai 1975 wurde Ellen Thiemann nach Ost-Berlin entlassen, wo ihr Mann seit zwei Jahren mit einer anderen Frau zusammenlebte und nach seiner zwischenzeitlichen Karriere als Sportredakteur eine Ausreise mit seiner Familie ablehnte. Nach Scheidung im Juli 1975 und weiteren zermürbenden Schikanen durch die DDR-Behörden konnte Ellen Thiemann Mitte Dezember 1975 auf Bemühen des Rechtsanwaltes Wolfgang Vogel mit ihrem Sohn nach Köln übersiedeln, wo sie eine Tätigkeit als Redakteurin aufnahm. Erst Ende 1999 erfuhr sie aus dem „SPIEGEL“ von der Dimension der Spitzeltätigkeit ihres Exmannes alias IM „Mathias“.

 

Nach ihren Werken „Stell dich mit den Schergen gut“ (1984) und „Der Feind an meiner Seite“ (2005), erschien im März 2013 von Ellen Thiemann ein weiteres authentisches Enthüllungsbuch: „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ Trotz zermürbender Behinderungen seitens zahlreicher Ämter in Sachsen konnte die Autorin durch intensive Recherchen zu Tabu-Themen wie Suizide, Misshandlungen, Medikamenten-Missbrauch und Verabreichung von Psychopharmaka, menschenverachtende Quälereien in Arrestzellen aufdecken, aber auch zahlreiche IM (Inoffizielle Mitarbeiter) vom Anstaltspersonal sowie diverse Zellenspitzel unter den Häftlingen enttarnen.

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